Tag 7 – 21.10.2011

Hangzhou – Fuzhou

Chinesen lieben Feuerwerk. Sie haben es ja erfunden. Und sie zünden zu allen denkbaren Gelegenheiten gerne ein paar Böller und Raketen – warum also nicht auch mal zum Zeitvertreib in einem Autobahnstau? Abgesehen vom unfreiwilligen Stillstand am Nachmittag wird heute aber richtig Strecke gemacht, durch bergiges Land und von Millionenstadt zu Millionenstadt. Und immer wieder passiert die Tour mächtige Neubausiedlungen, die gerade fertig oder noch im Bau sind.

Fotos Tag 7

An diesem Tag erwartet die Teilnehmer der Audi Q3 Trans China Tour 2011 eine Etappe, die ein gesundes Maß an Ausdauer erfordert: Das heutige Ziel liegt 640 Kilometer entfernt. Sich unterwegs zu verfahren, ist fast unmöglich: Der Konvoi rollt auf dem mal besser, mal schlechter ausgebauten Highway immer in Richtung Süden – abgesehen von den kleinen Ausflügen mancher Teilnehmer über kleine Landstraßen zwischen den Reisfeldern.

Hangzhou, der Startpunkt an diesem Morgen, ist eine der kommenden In-Städte Chinas. Die Zweimillionenstadt ist landschaftlich schön gelegen und nicht allzu weit von Shanghai entfernt, deshalb wird hier derzeit kräftig investiert. An jedem zweiten Häuserblock entlang des Westsees ist ein Bauzaun aufgestellt, auf großen Bildern werden kommende Luxus-Wohnanlagen oder Markengeschäfte von Armani bis Versace angekündigt.

Das Straßenbild ist ein weiterer Indikator für den wachsenden Wohlstand: Audis gehören ganz selbstverständlich dazu, auch ein A5 Cabriolet oder ein R8 sind gelegentlich zu sehen. Bentley und Lamborghini haben hier erfolgreiche Verkaufspunkte. Und selbst die japanische Kleinserienmarke Mitsuoka ist vertreten mit ihren Sportwagen und Retro-Modellen, die allesamt aussehen wie ihre eigene Karikatur. Es gibt diese Marke also wirklich – der stattliche Showroom in Hangzhou beweist es.

Zunächst geht es über eine zweigeschossige Stahlbrücke ans westliche Ufer des Qiantang Jiang und hinaus aus dem dicht besiedelten Stadtgebiet. Dass Vorstädte nur selten eine Augenweide sind, diese Erkenntnis gilt auf der ganzen Welt. In China aber hat sie eine ganz besondere Dimension. Denn auch bei dieser Fahrt aus Hangzhou hinaus erscheint das gewohnte Bild dieser Tour: Links und rechts der Autobahn entstehen neue Trabantensiedlungen – wahre Hochauswälder, gerade fertiggestellt oder noch in Bau, meist in die typischen, grünen Bambusgerüste gehüllt und manchmal auch schon als Bauruine erkennbar.

Das Standard-Neubau-Wohnhaus in China hat, so scheint es, rund 30 Stockwerke, pro Stockwerk vielleicht fünf Wohnungen, und es tritt in dicht gepackten Bündeln von 15 bis 20 Häusern auf. So dicht, dass man die Wäscheleine durchaus bis ins Haus gegenüber spannen kann. Und dann wird in ein paar Hundert Metern Abstand das nächste Zehnerpack errichtet. So groß das Land ist, so eng wird es in den Städten. Bei diesem Tempo der Verstädterung und der Bevölkerungsbewegung ist klar, dass jede Angabe der Einwohnerzahl einer Stadt schon bei ihrem Druck überholt sein muss.

Doch auch die neuen Trabantensiedlungen verschwinden nach einiger Zeit im Rückspiegel des Audi Q3, und das im Jangtse-Delta nördlich von Hangzhou allgegenwärtige Geflecht aus glitzernden Flüssen und Kanälen weicht einer hügeligen, ja sogar bergigen Landschaft – leider liegt sie den ganzen Morgen über in milchigem Licht. Die Schnellstraße windet sich durch enge Täler und führt immer wieder über Brücken und durch Tunnel, der Audi Q3 punktet hier durch sein leichtfüßiges und agiles Handling. Die Geschwindigkeitsmessanlagendichte ist hier extrem, dank eines entspannten Gasfußes bei manchem Teilnehmer blitzt es auch regelmäßig – doch ob dabei auch Fotos entstehen, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Polizeisirenen und laute Frauenstimmen mahnen in den vielen Tunneln immer wieder zur Vorsicht, ebenso wie manch eine Polizeiwagen-Attrappe am Straßenrand.

Video Tag 7

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Die florierende Hafenstadt Wenzhou (drei Millionen Einwohner mindestens) liegt etwa auf halber Strecke der heutigen Etappe. Hier haben sich zahlreiche exportorientierte Textil- und Schuhfabriken niedergelassen. Kurz vor der Stadt Fuding (echt klein, nicht mal eine Million Einwohner) überqueren die 20 samoa-orangen Audi Q3 der Trans China Tour 2011 die Provinzgrenze nach Fujian. Von der Küste der gebirgigen Region sind es stellenweise weniger als 200 Kilometer bis zur gegenüberliegenden Insel Taiwan. Fujian ist für sein subtropisches Klima bekannt: Während es im Winter recht kalt werden kann, herrschen zwischen Juni und August hohe Temperaturen und eine ebensolche Luftfeuchtigkeit. Heftige Regenfälle und Taifune suchen die Provinz regelmäßig heim. Heute bleibt alles friedlich, doch die hohe Luftfeuchtigkeit, die leichte Schwüle machen den Klimawechsel gegenüber den Vortagen deutlich.

Die Provinzhauptstadt Fuzhou, in der die heutige Etappe endet, ist mindestens mittelgroß, hat vielleicht sieben Millionen Einwohner und profitiert von den beträchtlichen Investitionen aus dem benachbarten Taiwan. Zahlreiche Einkaufszentren und mehrere gehobene Restaurants zeugen von einem gewissen Wohlstand. Die historische Altstadt mit vielen traditionellen Gebäuden, darunter eine Apotheke und Arztpraxis der traditionellen chinesischen Medizin, hat einen fast musealen Charakter. Von den oberen Stockwerken des zentral gelegenen Hotels Shangri-La hat man einen guten Blick über den Wuyi-Platz mit seiner mächtigen Statue von Mao Zedong.

Doch den muss man erst mal erreichen. Problemlos gelingt das nur den ersten Fahrzeugen der Tour, alle weiteren gehen für ein paar Stunden in diversen Staus vor der Stadt unter. Die Ursachen sind eine schlichte Straßensperrung der Polizei, aber auch der Besuch des Außenministers aus Vietnam, der schließlich vom Flughafen  über leere Straßen chauffiert werden muss.

Was nun folgt, ist ein Crashkurs in „Auto fahren in China“. Sobald es auch nur minimal vorwärts geht, kämpfen gerade die Fahrer der schwer beladenen, betagten LKW um jeden Meter, als ginge es um die Pole-Position in Monaco. Wer sich von den Elefantenrennen der europäischen Fernfahrer gestört fühlt, der sollte mal zehn Minuten hinter drei schwarz rußenden und bedenklich knirschenden China-LKW, die um zwei knappe Fahrspuren kämpfen, eine Steigung hinaufkriechen...

Die meisten Chinesen nehmen es aber gelassen – und sind kommunikativer als etwa die Deutschen. Da wird ein Schwätzchen gehalten, gemeinsam geraucht, Essen ausgepackt – und einmal auch ein kleines Feuerwerk aus dem Kofferraum eines Kleinwagens geholt, wie es einer der Audi-Fahrer erlebt. Ein paar Böller, ein paar Raketen in den Abendhimmel, da bekommt das Stauerlebnis doch eine ganz andere Dimension.

Morgen zieht die Trans China Tour über 325 Kilometer weiter nach Xiamen (eine mittelgroße Stadt, rund vier Millionen Einwohner).

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