Tag 3 – 17.10.2011

Jinan – Qingdao

Ständige Hektik, ruhelose Betriebsamkeit und ein konstanter Geräuschpegel scheinen das Leben im China der Gegenwart zu dominieren. Dabei zählen doch kontemplative Ruhe, meditative Entspannung und absolute Konzentration zu den Fundamenten der traditionellen chinesischen Kultur – denkt man im Westen. Vermeintlich ein Widerspruch, doch die allermeisten Menschen in China haben damit gar kein Problem. Heute steht für die Teilnehmer der Trans China Tour die Begegnung mit Konfuzius auf dem Programm – freilich in der touristischen Form. Und abends gibt es Bier mit deutschen Wurzeln.

Fotos Tag 3

Eile ist im morgendlichen Berufsverkehr von Jinan nicht angebracht. Hier helfen nur Geduld und Gelassenheit wirklich weiter. Bis alle Fahrzeuge der Audi Q3 Trans China Tour 2011 am Beginn der zweiten Etappe die Stadt verlassen haben, ist locker eine Stunde verstrichen. Doch die anschließende Landstraße entschädigt sofort für jede Anstrengung: Serpentinen führen bis auf 900 Meter, die Landschaft ist bewaldet und dünn besiedelt. In einem der Dörfer an der Strecke ist kaum mehr ein Durchkommen für die Autos: Heute ist Wochenmarkt, der belegt die gesamte Straße. Handkarren mit Früchten, Käfige mit Geflügel, Stände mit Stoffen nutzen den Verkehrsweg als Verkaufsfläche. Die Hupe hilft, den Audi Q3 nicht völlig zur Immobilie werden zu lassen – aber auch nur mühsam.

Dabei liegt die Kraft doch in der Ruhe. Eine Erkenntnis, eine Weisheit gar, die doch nur aus der traditionellen Kultur dieses Landes kommen kann – der Kultur der Tempel und der Mönche, der stillen Künste und der bewunderten Heiligtümer. Denn heilig ist viel in diesem Land, allen dramatischen Wirren des vergangenen Jahrhunderts zum Trotz. Berge zum Beispiel sind heilig, viele Berge. Die genaue Anzahl kennt niemand, der Tai Shan (1.532 Meter), nördlich der Stadt Taian und direkt neben der Strecke der Trans China Tour gelegen, gehört in jedem Fall dazu. Er ist einer der fünf heiligen Berge des Daoismus. Er wird seit dem 11. Jahrhundert verehrt, vermutlich sogar noch länger. Die Liste seiner Bezwinger ist lang und eindrucksvoll: Konfuzius und Mao Zedong waren ebenso hier wie sechs chinesische Kaiser. Über 6.000 steinerne Stufen gilt es nach oben zu überwinden. Für die Touristen führt natürlich auch eine Seilbahn hinauf, Tribut an die stets eilige, moderne Zeit.

Die Teilnehmer der Trans China Tour dürfen ein anderes, noch weitaus bedeutsameres Denkmal der chinesischen Geschichte erleben: In Qufu lebte einst Konfuzius, hier soll er auch gestorben sein. Wenn man den im Ort gängigen Mythen Glauben schenkt, ist fast jeder vierte Bewohner dieses heutigen Weltkulturerbes ein Nachkomme des großen chinesischen Philosophen und Vordenkers. Die Altstadt wird von einer Stadtmauer umgeben, der Konfuzius-Tempel mit seinen neun Höfen, Gärten und zahlreichen Gebäuden beeindruckt.

Video Tag 3

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Konfuzius, der Weise – im Westen äußerst gern, doch oft falsch zitiert. Er wurde unter dem Namen Kong Qiu geboren und lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. Die menschliche Ordnung war das zentrale Thema seines philosophischen Schaffens. Mitmenschen zu achten und Vorfahren zu ehren, lasse das Individuum zu einem „edlen“ Menschen werden. Erstrebenswert waren für Konfuzius, der Zeit seines Lebens viel auf die Bildung setzte, Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht. Auch wenn heute hier eher der Tourismus dominiert – ein kleines Gefühl für die gewaltige Geschichte dieses Landes hinterlässt der Besuch doch.

Das heutige Etappenziel ist die Hafenstadt Qingdao. Auch wenn man es bei der langen Einfahrt durch riesige Neubauviertel kaum glauben mag, hat diese Stadt ein deutliches koloniales Erbe – und das ist deutscher Natur. Unter Kaiser Wilhelm II. wurde der Hafen eingenommen und ein Pachtvertrag für die nächsten 99 Jahre unterzeichnet. Unter der jedoch nur bis 1914 andauernden deutschen Herrschaft errichtete man eine Brauerei, den Bahnhof, einen Leuchtturm, die protestantische Christuskirche, mehrere Missionsstationen, verschiedene deutsche Bildungseinrichtungen ... Zwar mussten – wie überall im boomenden China – viele der Kolonialbauten aus dieser Zeit modernen Glas- und Stahlpalästen weichen, doch sind genügend architektonische Denkmäler erhalten geblieben, um der Millionenstadt noch immer ein ganz besonderes Flair zu verleihen.

Zu den ersten Tätigkeiten der deutschen Kolonialisten gehörte 1903 die Errichtung eines standesgemäßen Brauhauses. Unter dem Namen „Tsingtau Germania Brauerei“ wurden zunächst Pilsner und Münchner Starkbier gebraut. Japanische Besatzung, die Periode unter Leitung der Kuomintang und schließlich das kommunistische China: Tsingtao hat alles überdauert und wird heute auf der ganzen Welt getrunken – es dürfte so gut wie kein China-Restaurant geben, auf der dieses Getränk nicht auf der Karte steht. Der chinesische Staat hält heute einen Anteil von 45 Prozent des Unternehmens, die japanische Brauerei Asahi ist mit 31 Prozent zweitgrößter Anteilseigner.

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