Tag 10 – 24.10.2011

Hongkong

Sicherlich hat die Audi Q3 Trans China Tour in den vergangenen Tagen manch beeindruckende Stadt gesehen. Hongkong allerdings spielt noch immer in seiner eigenen Liga, diese Stadt ist ein unvergleichliches Schauspiel der Extreme. Heute macht die Trans China Tour hier einen Tag Pause. Genutzt wird die Zeit für die Anreise einer neuen Gruppe von Fahrern und zu letzten Vorbereitungen für die kommenden Etappen. Schließlich ist gerade mal Halbzeit, acht weitere Fahrtage der Tour liegen noch vor dem Tross der samoa-orangen Audi Q3.

Fotos Tag 10

Auf eigenen Rädern nach Hongkong zu rollen, bleibt den 20 Audi Q3 freilich verwehrt. Zum einen haben die neuen SUV nur eine chinesische Zulassung, zum anderen das Lenkrad auf der falschen Seite: In China wird wie in der großen Mehrheit der Länder rechts gefahren, in der ehemaligen Kronkolonie Hongkong in britischer Tradition weiterhin links.

Und eins darf man nicht unterschätzen: Auch wenn die ehemalige Kolonie 1997 wieder an China zurückgegeben wurde und seither offiziell als Sonderverwaltungszone zum chinesischen Staatsgebiet gehört – in der erlebten Praxis sind es immer noch zwei getrennte Länder. Das beginnt mit gründlichen Passkontrollen bei der Aus- und Einreise und endet nicht zuletzt darin, dass viele in China gesperrte Internetseiten (wie etwa Facebook) in Hongkong problemlos erreicht werden können.

Hongkong überwältigt den Besucher immer wieder durch seine Wucht. Ganze Mauern von dicht stehenden Wohnhäusern mit 30 oder 40 Stockwerken bauen sich auf, an manchem Platz ist sprichwörtlich der Himmel nicht mehr zu sehen. Moderne Wolkenkratzer bestimmen das Bild, alle paar Monate entwickelt sich die Skyline weiter und gewinnt neue Superlative hinzu. Das International Commerce Center an der Spitze von Kowloon ist so ein Beispiel. Es beherbergt vom 102. bis zum 118. Stockwerk das höchste Hotel der Welt – spektakuläre Ausblicke sind hier garantiert.

Hongkong, der „duftende Hafen“, ist aus geografischer Sicht eine zerklüftete Stadt. An der Mündung des Perlflusses ins südchinesische Meer liegend, umfasst das Stadtgebiet der Sieben-Millionen-Stadt die Halbinsel der New Territories mit der Spitze Kowloon – kulturelles Zentrum und bevölkerungsreichster Stadtteil –, die Hauptinsel Hongkong Island sowie mehr als 200 Inseln, deren genaue Zahl sich aufgrund massiver Landgewinnungsprogramme ständig ändert.

Steile Hügel und felsige Küsten prägen das Bild. Trotz der enormen Einwohnerdichte von 6.396 Einwohnern pro Quadratkilometer sind nur etwa 30 Prozent des Terrains bebaut. Noch ungewöhnlicher: 40 Prozent der Stadtfläche stehen unter Naturschutz; zwischen eng besiedelten Stadtteilen finden sich unberührte Landstriche. Keine asiatische Großstadt verfügt über mehr Grünflächen. Die Kehrseite: Die bebaubaren Flächen sind so voll gepackt wie kaum irgendwo auf der Welt.

Als die Briten Anfang des 18. Jahrhunderts im Südchina eintrafen, war Hongkong eine unbedeutende Siedlung von 7.000 Fischern, Händlern, Bauern und Kleinpiraten. 1711 gründete die British East India Company dort einen Handelsposten, um Seide, Tee, Porzellan und Gewürze nach Europa zu verschiffen. Im Gegenzug entwickelte sich Opium aus den indischen Kolonien zum Verkaufsschlager in Südchina, eine Entwicklung, die der Kaiserhof mit großer Sorge verfolgte. Eine Petition an die englische Königin blieb erfolglos und führte 1839 zum ersten Opiumkrieg, der mit einer chinesischen Niederlage und der Besetzung Hongkong Islands durch die Briten endete. Das Territorium wurde Großbritannien „endgültig und für immer“ zugesprochen. Während des zweiten Opiumkrieges kam 1860 auch die Halbinsel Kowloon hinzu, 1898 wurden die New Territories für 99 Jahre gepachtet, um natürliche Trinkwasserquellen zu erschließen. Mit Ablauf des Pachtvertrags kam Hongkong 1997 wieder unter chinesische Kontrolle, allerdings als Sonderverwaltungszone. China nannte diese Lösung: „Ein Land, zwei Systeme.“

Das Ergebnis der bewegten Geschichte Hongkongs ist eine einmalige Mischung aus chinesischer Alltagskultur und pulsierendem Handel. Die Stadt gilt als „Tor nach China“ und ist neben Tokyo Asiens Finanz- und Bankenzentrum schlechthin. Hautnah zu erleben ist das zum Beispiel auf der Hauptschlagader Kowloons, der Nathan Road, wo sich Shopping Mall an Shopping Mall reiht. Gen Norden jedoch führt die Straße direkt ins alte China: In den engen Gassen der Stadtteile Yau Ma Tei und Mong Kok zwischen Garküchen und Straßenhändlern ist vom westlichen Flair des Central genannten Bankenviertels nicht mehr viel übrig.

An der südlichen Spitze Kowloons setzt die Star Ferry nach Hongkong Island über. Zwar verbindet inzwischen auch eine U-Bahn die beiden Stadtteile, doch der Blick, der sich vom Kai und während der Überfahrt auf den Victoria Harbour und die Skyline eröffnet, ist unvergleichlich. Auf der Hauptinsel angekommen, ist der 554 Meter hohe Victoria Peak ein Muss für jeden Hongkong-Besucher – besonders abends, wenn ein Meer aus Millionen Lichtern den bekanntesten Berg der Stadt umspült. Die Teilnehmer der dritten Gruppe erleben hier einen fantastischen Einstieg in ihr asiatisches Abenteuer.

Die Mechaniker der Audi Q3 Trans China Tour sind mit den Fahrzeugen einstweilen in Shenzhen zurückgeblieben. Viel zu tun haben sie an diesem Tag allerdings nicht. Bis auf ganze zwei kaputte Reifen ist bislang keinerlei Schaden oder Panne aufgetreten. Waschen, Tanken und die Navigationssysteme mit den Strecken der kommenden acht Etappen versorgen – so lautet das überschaubare Programm.

Morgen beginnt die dritte Welle der Trans China Tour. Sie führt von Shenzhen nach Guangzhou, mitten durch ein wirtschaftliches und industrielles Zentrum von China. Eine kurze, aber sicher wieder spannende Fahrt...

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